Vom 11. bis 13. September 2026 ging es für unsere Großen und Kleinen Orientierungsläuferinnen und Orientierungsläufer zum Saxonia-O-Festival in die Sächsische Schweiz. Drei Tage Orientierungslauf, eine Selbstversorgerhütte, ein Kletterabenteuer und jede Menge gemeinsamer Erlebnisse lagen vor uns.
Für mich als begleitende Mama sollte es ein ganz besonderes Wochenende werden. Denn während ich am Freitag noch staunend am Rand stand, durfte ich schon einen Tag später selbst erleben, was es eigentlich bedeutet, sich mit Karte durch anspruchsvolles Gelände zu bewegen.
Freitag – Wettkampfauftakt auf der Festung Königstein
Direkt nach der Schule hieß es am Freitag: Sachen ins Auto und auf nach Sachsen! Rund drei Stunden Fahrt lagen vor uns und viel Zeit hatten wir nicht, denn der erste Start meiner Tochter war bereits für etwa 18:20 Uhr angesetzt.
Der Freitagnachmittagsverkehr machte es spannend. Stau, immer wieder der Blick auf die Uhr und die Hoffnung, rechtzeitig anzukommen. Unterwegs entdeckten wir dann sogar unsere Trainer auf der Autobahn und so ging es schließlich gemeinsam weiter in Richtung Festung Königstein.
Schon bei der Ankunft beeindruckte mich die Atmosphäre. Überall hatten Vereine und Läufer aus unterschiedlichen Bundesländern ihre kleinen Lager aufgeschlagen. Es wurde sich umgezogen, vorbereitet, Ausrüstung kontrolliert und auf die jeweilige Startzeit gewartet. Trotz aller Konzentration auf den bevorstehenden Wettkampf herrschte eine erstaunlich entspannte und harmonische Stimmung.
Und dann war da natürlich diese Kulisse: die mächtige Festung Königstein, die wunderschöne Landschaft der Sächsischen Schweiz und mittendrin die vielen Orientierungsläufer.
Meine Tochter startete unterhalb der Festung. Von dort führte ihre Strecke durch die Festungsanlage bis ganz nach oben zum Ziel. Während sie unterwegs war, nahm ich den Personen- und Lastenaufzug hinauf, um sie dort in Empfang zu nehmen.
Als sich oben die Türen des Fahrstuhls öffneten, erwartete mich einer der schönsten Momente dieses Wochenendes. Die tief stehende Sonne tauchte die Festung und die umliegende Landschaft in ein herrliches Licht. In dieser Kulisse kamen nach und nach die Läufer einzeln ins Ziel.
diesem Moment wirkte der Orientierungslauf auf mich fast ein wenig erhaben: die historische Festung, die Natur, die untergehende Sonne und dazwischen die Sportler, die nach und nach ihr Ziel erreichten.
Oben traf schließlich auch unser Verein wieder zusammen. Es wurde begrüßt, erzählt und natürlich durfte ein gemeinsames Gruppenfoto nicht fehlen.

Danach ging es weiter zu unserem Quartier für das Wochenende: der Dessauer Hütte des Deutschen Alpenvereins.
Hüttenleben – Schlafsäcke, Gemeinschaftsküche und Spieleabend
Für uns war es das erste Mal in einer Selbstversorgerhütte. Entsprechend gespannt war ich: Hatte ich wirklich alles eingepackt?
Die Kinder bezogen gemeinsam ein Sechsbettzimmer, die Erwachsenen ein Zehnbettzimmer. Matratzen mit den mitgebrachten Bettlaken beziehen, Schlafsack ausrollen – fertig war unser Bettenlager.

Während die Kinder ihr Zimmer eroberten, zauberten die Erwachsenen aus den mitgebrachten Lebensmitteln ein gemeinsames Abendessen. An einem großen Tisch in der Gemeinschaftsküche saßen wir anschließend alle zusammen, lernten nebenbei auch andere Hüttengäste kennen und ließen den ersten Wettkampftag Revue passieren.

Ein kleiner Spieleabend rundete den Tag ab, bevor irgendwann alle in ihren Schlafsäcken verschwanden.
Samstag – erst Brötchen, dann hoch hinaus
Der Samstag begann für mich und Ines mit einer wichtigen Mission: frische Brötchen holen.
Nach dem gemeinsamen Frühstück hatten wir noch etwas Zeit bis zum nächsten Wettkampf. Unsere Trainer Silke und Jürgen nutzten diese Gelegenheit, um uns eine weitere Leidenschaft von ihnen näherzubringen: das Klettern.
Also ging es zur Narrenkappe am Gohrisch.
Silke, Jürgen und Ines hatten an alles gedacht: Klettergurte, Karabiner, Kletterschuhe, Helme und Sicherungsausrüstung. Jürgen kletterte zunächst voraus und bereitete die Sicherungen vor. Dabei wurden insbesondere die Kinder immer wieder einbezogen. Wie sieht ein Knoten aus? Wie funktioniert eine Sicherung? Und wie kann eine Sanduhr im Felsen genutzt werden?

So wurde aus unserem Kletterausflug ganz nebenbei auch eine kleine Unterrichtsstunde am Felsen.
Oben angekommen, wurden wir mit einer großartigen Aussicht belohnt. Besonders stolz waren die Kinder darauf, sich in das Gipfelbuch eintragen zu dürfen.

Doch wer hinaufklettert, muss irgendwann auch wieder hinunter.
Gerade das Abseilen beziehungsweise Rückwärtsbewegen am Felsen kostete den einen oder anderen einiges an Überwindung. Hier zeigte sich besonders schön, mit welcher Ruhe und Geduld Silke, Jürgen und Ines mit den Kindern umgehen. Es wurde erklärt, Mut gemacht und immer wieder Sicherheit vermittelt.

Am Ende standen alle wieder unten – vielleicht ein wenig erleichtert, vor allem aber ziemlich stolz.
Lang-OL in Leupoldishain – plötzlich mittendrin
Nach dem Kletterabenteuer ging es zum zweiten Wettkampftag nach Leupoldishain. Diesmal stand der Lang-OL auf dem Programm.
Schon bei der Ankunft auf der großen Wiese war die Atmosphäre wieder beeindruckend. Noch mehr Teilnehmer als am Vortag waren zusammengekommen. Überall Vereinsgruppen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die sich vorbereiteten und auf ihre Starts warteten.
Unsere Kinder wurden von Trainern und Team motiviert und auf ihren Wettkampf vorbereitet.
Und dann bekam der Tag für mich eine unerwartete Wendung.
Silke wollte trotz einer Verletzung selbst auf ihre Strecke gehen, allerdings nicht laufend, sondern in Ruhe. Sie fragte mich, ob ich sie gemeinsam mit meiner siebenjährigen Tochter begleiten wollte.
Natürlich wollte ich!
Bis dahin hatte ich Orientierungslauf hauptsächlich beobachtet. Jetzt sollte ich selbst erfahren, was es bedeutet, mit einer Karte durch den Wald zu gehen und die richtigen Posten zu finden.
Allein der Weg von der Wettkampfzentrale zum Start führte rund 1,4 Kilometer in den Wald. Von dort wurden die Läufer entsprechend ihrer Startzeiten einzeln auf die Strecke geschickt.
Vor uns lagen offiziell 3,8 Kilometer, elf Posten und bis zu rund 180 Höhenmeter.
Was sich zunächst überschaubar anhörte, erwies sich schnell als echte Herausforderung.
Wer aus Sachsen-Anhalt eher flaches Gelände gewohnt ist, bekommt in der Sächsischen Schweiz eine ganz neue Vorstellung vom Orientierungslauf. Felsen, Anstiege und Abstiege bestimmten das Gelände. Dazu kamen teilweise ziemlich raffiniert platzierte Posten und größere Distanzen zwischen ihnen.

Einfach nur schnell laufen? Keine Chance.
Immer wieder hieß es: Karte anschauen, Gelände lesen, überlegen, entscheiden – und gelegentlich auch feststellen, dass der gewählte Weg vielleicht doch nicht der optimale gewesen war.
Dabei wurde mir sehr schnell klar, was diesen Sport ausmacht: Schnell laufen zu können ist nur die eine Hälfte. Die andere ist, auch unter Belastung die Orientierung zu behalten und die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Wir machten aus unserem Lauf schließlich einen ausgedehnten Orientierungsspaziergang. Mit viel Freude suchten und fanden wir einen Posten nach dem anderen und genossen dabei die beeindruckende Natur.
Aus den geplanten 3,8 Kilometern wurden bei uns am Ende allerdings stolze 9,3 Kilometer – und rund drei Stunden im Wald.

Aber der Spaß stand im Vordergrund. Wir fanden unsere Posten und ich bekam einen völlig neuen Einblick in den Sport meiner Tochter. Nach diesen drei Stunden stand für mich fest: Orientierungslauf ist deutlich anspruchsvoller, als es für Außenstehende manchmal aussieht.

Verdientes Abendessen und erstaunliche Erkenntnisse
Nachdem alle wieder an der Wettkampfzentrale zusammengefunden hatten, war der Hunger entsprechend groß.
Gemeinsam ging es zum Essen in die nicht weit entfernte Tschechei. Von Semmelknödeln über Gulasch bis zum Schnitzel war für jeden etwas dabei – und nach Klettern, Wettkampf und meinem persönlichen Drei-Stunden-Abenteuer im Wald schmeckte es natürlich besonders gut.
Anschließend ging es zurück zur Dessauer Hütte. Duschen, umziehen, kurz durchschnaufen.

Eigentlich hätte man erwarten können, dass nun alle nur noch ins Bett fallen wollten. Doch insbesondere die Kinder waren noch lange nicht bereit dafür.
Also wurde wieder gespielt. Bei „Zungenbrecher“ und „Voll verschätzt“ wurde geraten, diskutiert und vor allem viel gelacht.
Ganz nebenbei lernten wir Dinge, von denen am Morgen vermutlich niemand gedacht hätte, dass er sie am Abend wissen würde: So weiß unsere Runde nun unter anderem, dass eine russische Frau im 18. Jahrhundert angeblich 68 Kinder geboren haben soll und dass nur etwa zehn Prozent der irischen Bevölkerung rothaarig sind.
Ob uns dieses Wissen beim nächsten OL weiterhilft, bleibt abzuwarten.
Irgendwann waren dann aber wirklich alle K.O. – Kinder wie Erwachsene. Glücklich, müde und mit vielen Erlebnissen im Kopf ging es in die Schlafsäcke.
Sonntag – vom Hüttenputz zum Mittel-OL
Am Sonntagmorgen hieß es zunächst Abschied nehmen von unserem Hüttenleben.
Zu einer Selbstversorgerhütte gehört eben nicht nur gemeinsam essen, spielen und schlafen, sondern auch, sie ordentlich wieder zu hinterlassen. Also wurden Betten abgezogen, Schlafsäcke zusammengerollt, Koffer gepackt und gemeinsam Zimmer und Gemeinschaftsräume aufgeräumt und geputzt.
Auch hier zeigte sich wieder: Wenn alle mit anpacken, geht vieles ganz schnell.
Danach ging es erneut nach Leupoldishain. Zum Abschluss des Saxonia-O-Festivals stand der Mittel-OL auf dem Programm.
Unsere Kinder machten sich wieder stolz und motiviert auf den Weg zum Start, begleitet und unterstützt von unseren Trainern. Auch ein Kinder-OL rund ums WKZ-Gelände wurde erfreut von den ganz Kleinen angenommen.
Und auch ich durfte noch einmal mit auf die Strecke.
Nach meinem ausgedehnten Abenteuer vom Vortag fühlte ich mich tatsächlich schon etwas sicherer. Das Gelände kam mir nicht mehr völlig fremd vor und ich hatte inzwischen zumindest eine erste Vorstellung davon, worauf man achten muss.
Einfach war es trotzdem nicht. Zwischen Felsen, Anstiegen und Abstiegen mussten erneut die richtigen Wege und natürlich die gesuchten Posten gefunden werden.
Nach rund einer Stunde und 20 Minuten erreichten wir das Ziel.
Für mich war das ein besonderer Moment. Am Freitag hatte ich noch staunend am Rand gestanden und beobachtet, wie selbstverständlich all diese Menschen mit ihren Karten durch unbekanntes Gelände liefen. Zwei Tage später war ich selbst mittendrin und verstand nun zumindest ein kleines bisschen besser, warum dieser Sport so viele Menschen begeistert.
Noch einmal Grund zum Jubeln
Nach den letzten Läufen warteten wir gemeinsam auf die Siegerehrung.
Und tatsächlich gab es für unseren Verein noch einmal Grund zur Freude: Wie bereits am Vortag durfte eines unserer OL-Kinder aufgrund einer tollen Platzierung aufs Treppchen und unseren Verein stolz vertreten.

Es war schön zu sehen, wie sich die Kinder miteinander freuten. Gleichzeitig wurde in diesem Moment noch einmal deutlich, dass an diesem Wochenende längst nicht nur Zeiten und Platzierungen zählten.

Mindestens genauso wichtig waren all die Erlebnisse drumherum.
Nach der Siegerehrung gingen wir gemeinsam zurück zu den Autos. Es wurde sich verabschiedet, noch einmal über das Wochenende gesprochen und schließlich trat jeder seinen Heimweg an.
Was von diesem Wochenende bleibt
Drei Tage zuvor waren wir ziemlich hektisch nach der Schule aufgebrochen, hatten uns durch den Freitagnachmittagsverkehr gekämpft und gehofft, noch rechtzeitig zum ersten Start auf der Festung Königstein anzukommen.
Nun fuhren wir nach Hause – müde, aber mit wunderschönen Erinnerungen im Gepäck.
Wenn ich an dieses Wochenende zurückdenke, denke ich nicht zuerst an Zeiten oder Platzierungen. Ich denke an die untergehende Sonne über der Festung Königstein und die Läufer, die nacheinander ins Ziel kamen. An unser Bettenlager in der Dessauer Hütte. An Frühstück und Abendessen am großen Tisch, an Kinderlachen und Spieleabende. An Klettergurte, Felsen und das Gipfelbuch. An Karten, versteckte Posten und natürlich an meine persönlichen 3,8 Kilometer Lang-OL, aus denen irgendwie 9,3 Kilometer wurden.
Vor allem aber denke ich an die Gemeinschaft.
Es war beeindruckend zu erleben, mit welcher Ruhe, Geduld und Begeisterung unsere Trainer Silke und Jürgen die Kinder durch dieses Wochenende begleitet haben. Sie haben motiviert, erklärt, Mut gemacht und neben dem Orientierungslauf sogar noch ihre Begeisterung fürs Klettern mit uns geteilt. Dabei ging es nie ausschließlich um sportliche Leistung, sondern immer auch darum, den Kindern etwas zuzutrauen, ihnen Sicherheit zu geben und gemeinsam Freude an Bewegung und Natur zu erleben.
Für mich als Mama war dieses Wochenende deshalb eine ganz besondere Erfahrung. Ich durfte den Sport meiner Tochter nicht nur vom Rand aus beobachten, sondern selbst erleben, wie viel Konzentration, Ausdauer, Orientierung und manchmal auch Mut dazugehören.
Und vielleicht ist genau das das Schöne am Orientierungslauf:
Es geht nicht einfach darum, möglichst schnell von A nach B zu kommen. Man muss seinen eigenen Weg finden.
Manchmal ist dieser Weg vielleicht ein bisschen länger als geplant.
Aber wenn man dabei gemeinsam lacht, etwas Neues lernt und am Ende den richtigen Posten findet, war es vielleicht trotzdem genau der richtige Weg.
So ging für uns ein erlebnisreiches Wochenende beim Saxonia-O-Festival 2026 zu Ende – mit müden Beinen, vielen neuen Erfahrungen und wunderschönen Erinnerungen im Gepäck.


